Reisen auf dem Mekong

Bisher konnten wir Laos leider nicht so erleben, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir mussten uns beeilen, denn wir hatten mit der Gibbon Experience einen fixen Termin einzuhalten. Und mussten, um bis nach Houay Xai im Norden des Landes zu kommen, noch einige hundert Kilometer zurück legen. Also fuhren wir am Süden nur vorbei, verbrachten nur wenig Zeit in Vientiane und fuhren weiter nach Luang Prabang.

Mein Moped blieb derweil irgendwo in Vientiane stehen. Nach zwei Tagen in Luang Prabang fuhren wir weiter, erlebten die Gibbon Experience und trennten uns dann in Houay Xai. Denn daheim sind Osterferien und Peer hat das Glück, dass seine Freundin ihn in der Zeit besuchen kommt. In Thailand.

Also verabschiedeten wir uns für die kommenden zwei Wochen, wünschten uns alles Gute und fanden es wohl beide seltsam nach einem halben Jahr auf einmal getrennt zu sein. Peer fuhr nach Bangkok und ich trat die Reise zurück zu meinem Moped an, um es zu verkaufen und dann Laos so lange zu erleben, wie es mein Visum erlaubte. Ganz alleine.

Aber nicht allzu lange, denn am Tag des Abschieds hatte ich noch genau zwei Wochen Aufenthaltserlaubnis. Und ich würde alleine drei Tage brauchen um wieder nach Vientiane zu kommen. Ich saß mitten in einem der entspanntesten Länder der Erde und fühlte mich gehetzt. Das konnte nicht so weiter gehen. Aber spätestens als ich am nächsten Morgen im Boot saß und dabei zusah, wie sich dieser kleine Holzkahn in lediglich fünf Stunden erst füllte und dann überfüllte, bevor er mit nur zwei Stunden Verspätung abfuhr, ließ ich mich zurückfallen und schmiss das letzte Bisschen Eile über Bord. Was soll’s, ich bin in Laos, das wird schon. Please don’t rush. Bloß keine Hetze wie im landal wirfttal sauna.

Auf dem Mekong wie in der Uni tübingen. Der Mekong. Einer der längsten Ströme der Erde, von den Höhen Tibets bis zum Delta in Vietnam. Dazwischen liegen über 4300ilometer Fluss. Er ist Lebensader für sechs Nationen und unzählige Menschen, er wird beschifft und befischt, bebadet und getrunken. Und allzu oft kriegt er im Tausch dafür nur die Abwässer zurück. Er nimmt es mit Gelassenheit, wie auch sonst. Die typischen Slowboote auf dem Mekong. Vorne sind die Passagiere untergebracht, hinten die Familie. Und die Passagiere, die vorne nicht mehr hinein passen.

Unser Boot wie im Landal Travemünde meeresrauschen, ein Holzkahn von vielleicht drei Metern Breite und über hundert Metern Länge, schipperte gemütlich dahin, gezogen von der nicht zu unterschätzenden Strömung, vorbei an Fischern, die ihre Netze auswarfen, Kindern die im Wasser spielten und Wasserbüffeln, die nichts anderes zu tun schienen als im Wasser zu sitzen und gelangweilt drein zu schauen.

Hin und wieder galt es eine kleine Stromschnelle zu überwinden, man konnte spüren, wie das Boot vom Wasser bewegt wurde. Ich dachte mir noch, dass die Bootsführer den Fluss auswendig zu kennen schienen, so sicher wie sie die diversen Stellen elegant und ohne die kleinste Unsicherheit umschifften. Als auf ein mal ein lautes Dröhnen zu vernehmen war.